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c ivo huber
Ein koreanischer Kinderchor sang „He´s got the world in his hands“, besser hätte der Auftakt zu diesem Plenum nicht sein können.
Das Highlight des dritten Themenplenums Gerechtigkeit war ein ergreifendes Bild auf der Bühne: tosender Applaus umgab die 19 jährige Shreen Mvula aus Malawi, mit Aidsinfektion geboren. Sie erzählte mit sehr junger Stimme ihre Geschichte und forderte, dass über Sexualthemen und Aufklärung nicht nur im Krankenhaus gesprochen werden dürfe. Auch die Kirchen müssen die Tabus überwinden und offen über dieses kritische Thema sprechen. Die Moderatorin, Mrs Dr. Angelique Walker-Schmidt, Baptistenpastorin aus USA hat sie einfach in den Arm genommen und schließlich, während sich die meisten im Plenum die Augen wischen mussten gesagt: „Du bist wirklich stark und mutig!“ Eingeleitet war das Plenum mit Kindergartenkindern: sie sangen „He s got the whole world in his hands“
So war dieses Thema insgesamt nicht „verschlagwortet“ worden und die Hoffnungskraft die in der Bewegung des ÖRK liegt, kam emotional gut rüber. Mr Martin Khor aus Malysia klagte über die Kapitalabflüsse aus dem Süden in den Norden zugunsten der Reichen und über den Skandal, dass viele Menschen sterben müssen, weil Patentrechte auf den Medikamenten und hohe Preise den Zugang versperren. Er berichtete eindrücklich davon, wie Argrarsubventionen der Industrieländer, die landwirtschaftliche Produktion in Entwicklungsländer massiv stört, die ihrerseits ihre eigene Produktion nicht finanziell gefördern können und oftmals auch nicht dürfen, und noch zusätzlich durch die Fluten von Billiglebensmitteln aus den Industrieländern belastet werden.
Mrs Rev Phumzile Mabizela aus Südafrika sagte unter großem Applaus nicht nur: „Die Frauen sind das Rückrat der Kirche!“, sondern sprach auch innerkirchlich kritische Themen an. Sie forderte, dass die Kirche nicht immer nur für die Entrechteten sprechen und diese dadurch ein zweites Mal berauben, sondern ihnen endlich Raum und Rederechte einräumen, ihre Interessen selbst zu vertreten und damit an der Gesellschaft teil zu haben. Die Entrechten brauchen nicht die Bevormundung, sondern die Solidarität der Kirchen. Der Leiter der Congregational Church eines Pazifikinselstaates erbat von der Versammlung die Solidarität angesichts gravierender Auswirkungen durch den steigenden Meeresspiegels auf die Lebensgrundlagen und die Identität der Menschen auf diesen flachen Inseln.
Wenn man so will damit ein Schlüsselthema angesprochen: Solidarität, damit die Menschen, denen ihre Rechte versagt werden, endlich zu Recht und Gerechtigkeit kommen.
Der theologische orthodoxe Beitrag des argentinischen und gesamtsüdamerikanischen Generalvikars des Oekumenischen Patriarchats betonte: Gerechtigkeit sei kein moralisches und ethisches Problem, sondern eigentlich ein spirituelles. „Nur wenn wir zu Christus zurückkehren, kann Gerechtigkeit wachsen.“

In den nächsten Tagen wird der WCC einen Aufruf zum Handeln verabschieden mit dem Titel „Oekumene des Lebens, Gerechtigkeit und Frieden für alle“. Der Text ist das Ergebnis eines Konsultationsprozesses seit der letzten Versammlung in Porto Allegre 2006 in allen Kontinenten. Diesen Text finden Sie unter Grundsätzliches, Referenztexte.

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