„Was nehmen Sie mit nach Hause?“ Auf diese Frage antworten vier deutsche Teilnehmer an der Vollversammlung des Ökumenischen Rats der Kirchen von 30. Oktober …

Mir sind im Unterschied zur letzten Vollversammlung sind folgende Aspekte aufgefallen:

  • Das hochmoderne Konferenzzentrum machte eine Aufteilung der verschiedenen Bereich der Vollversammlung auf verschiedene Orte möglich. So gab es zum Beispiel eine gut gestaltete Halle für die Gottesdienste, ein eigenes Auditorium für die Plena und eine Extrahalle für den Geschäftsteil. Das hatte zur Folge, dass die inhaltlichen Plena, die jeweils den Morgen eines jeden Tag prägten, von den Teilnehmer gut verfolgt werden konnten. Zudem waren die Plena hervorragend gestaltet und haben die Menschen berührt. In Porto Allegre fanden die thematischen Inputs größtenteils ohne Teilnahme des Publikums statt und verpufften deswegen.
  • Versprochen wurde, dass alle Teilnehmenden an den ökumenischen Gesprächen nicht nur teilnehmen können, sondern auch gehört werden. Im Gegensatz zu Porto Allegre war das wirklich der Fall. Die Gruppen waren kleiner, man konnte in der Tat mitarbeiten und die Texte der einzelnen Gesprächsgruppen sind in den Abschlussbericht aufgenommen. Nachteil ist, dass diese Ergebnisse erst noch gesichtet werden können und deswegen ihre unmittelbare Auswirkung nicht direkt im Anschluss an die Vollversammlung klar ist.
  • War Porto Allegre die erste Vollversammlung, die nach der schweren Auseinandersetzung mit der Orthodoxie stattgefunden hatte und ganz im Zeichen des neuen Konsensverfahrens stand, und alle gespannt waren, ob es wirklich wieder miteinander ging, war das Alles in Busan keine Frage mehr. Auch wenn Metropolit Hilarion sich einen ärgerlichen Ausrutscher erlaubte, und meinte den Protestantismus für die Übel der modernen Welt verantwortlich zu machen müssen, so stand die Teilnahme der Orthodoxie niemals im Zweifel. Insofern war Busan business as usual. Wer die Geschichte des ÖRK kennt, wird dies als Fortschritt bezeichnen.

Was ist als Ergebnis der Vollversammlung zu erkennen:

  • Deutlich sichtbar wurde die Aussöhnung mit den nicht im ÖRK vertretenen evangelikalen Kirchen und den Pfingstkirchen. Erstes wichtiges Signal auf diesem Weg war der Verhaltungskodex „Das christliche Zeugnis in einer multireligiösen Welt“, der im Vorfeld der Vollversammlung veröffentlicht wurde und erstmals eine Zusammenarbeit von Vatikan, Evangelikalen und Pfingstkirchen mit den anderen im ÖRK organisierten historischen Kirchen auf dem Feld der Mission beschreibt. Auch das neue Missionspapier, das auf der Vollversammlung vorgestellt wurde, entstand in  Kooperation mit Evangelikalen und Pfingstkirchen. Hier scheint dem ÖRK eine Moderatorenrolle zwischen Vatikan, Evangelikalen und Pfingstkirchen zu zu wachsen, welche für die Ökumene insgesamt von hoher Bedeutung ist. Das global forum, eine Idee von Konrad Raiser, in dem verschiedene Kirchen informell zusammenarbeiten, zeigt erstmals gute Früchte.
  • Theologische Ergebnisse zeigen sich in der Erklärung zur Einheit, dem einzigen Dokument, das von der Vollversammlung direkt angenommen wurde. „Das ist“ so H. Link „schon ein Wunder für sich, einen solchen Text mit über 800 Delegierten im Plenum zu beraten und zu einem guten Abschluss zu bringen. Ganz wesentlich war das der kompetenten, umsichtigen und konstruktiven Leitung des bayerischen Bischofs Dr. Heinrich Bedford-Strohm zu verdanken. Er nannte das Papier in seiner Einführung einen „Spiegel der Versammlung“, der zu einer „Quelle der Inspiration“ für die Empfänger werden solle. Die Erklärung …. hat vier Teile, die nach dem Muster:  Sehen – Urteilen – Handeln aufgebaut sind: 1. Unsere Erfahrungen  – Sehen, 2. Unsere auf die Bibel gegründete Vision – Perspektiven, 3. Gottes Ruf zur Einheit heute – Urteilen, 4. Unsere Zusage – Handeln.  Neu ist, dass eine Erklärung zum Thema Einheit mit der Schöpfung beginnt: „Wir feiern das Leben der Schöpfung in seiner Vielfalt und danken dafür, dass sie gut ist“ (Z. 1). Dank dieses umfassenden positiven Ansatzes kommen dann nicht nur kirchliche und menschliche, sondern auch ökologische Krisen zur Sprache“
  • Ein weiteres theologisches Ergebnis ist die Konvergenzerklärung zur Ekklesiologie. Erstmals nach der Limaerklärung zu Taufe, Eucharistie und Amt von 1982 legt der ÖRK einen Entwurf für eine Erklärung zur Ekklesiologie vor. Bis 2015 haben die Mitgliedskirchen des ÖRK Zeit für Stellungnahmen.

Ich bin gespannt, wie dieser Prozess ausgehen wird. Die ELKB wird sich mit Sicherheit daran beteiligen.

  • Viel Aufmerksamkeit erfuhr die Idee einer Pilgerfahrt als Zukunftsprogramm des ÖRK. Die südkoreanischen Kirchen entwickelten eine erste Idee und ließen einen Peacetrain von Berlin nach Busan fahren. Die einzige Ausnahme auf der Reise war Nordkorea, das mit dem Schiff umfahren werden musste. Trotzdem, der Peace train hat die Menschen berührt und deutlich werden lassen, dass Pilgern ein spirituelles Erleben ist, das Inhalte auf eigene Art in den Mittelpunkt stellen kann. Hier wird man gespannt sein dürfen, welche Ideen im ÖRK entwickelt werden und wie diese vor Ort umgesetzt werden können.

Auch wenn die Vollversammlung im Gegensatz zu früheren nicht mit einem fertigen Programm aufwarten kann, weil erstmals neue Beteilungsmodelle praktiziert worden sind, so wird man einerseits gespannt sein dürfen auf das, was nach der ersten Sitzung des Zentralausschusses kommt. Zum zweiten zeigen sich schon jetzt interessante Tendenzen, wie in den theologischen Dokumenten deutlich wird, die wichtige Entwicklungsmöglichkeiten erwarten lassen.

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